Logo ConferenzaVescoviSvizzeri»Nur einer ist Euer Meister, Ihr alle seid Brüder« (Mt 23,8).

In seiner aktuellen Botschaft zum 29. Welttag der Kranken am 11. Februar 2021 (Unsere Liebe Frau von Lourdes) geht es Papst Franziskus um das Vertrauensverhältnis zwischen Kranken und Pflegenden. Vor allem lehnt Franziskus Heuchelei ab. Er versteht darunter ein Reden, ohne zu handeln. Der Glaube dürfe sich nicht in sterilen Worten ausdrücken, sondern müsse auf die Bedürfnisse des Nächsten durch aktives Handeln reagieren. Es geht dem Papst mit anderen Worten um die Kohärenz zwischen Glauben und Leben. Angesicht der Not, in welche viele Menschen durch die Pandemie geraten sind, verlangt der Papst von uns ein aktives Zuhören und Sich Einlassen auf die Not des Nächsten. Wir sollen zu ihm einen persönlichen Kontakt herstellen, uns von seinem Leiden betreffen und berühren lassen bis dahin, uns in seinen Dienst stellen zu lassen.

Das Kranksein erinnere uns, wie Franziskus weiter ausführt, an unsere eigene Kreatürlichkeit. Die Gesundheit hänge nicht von unseren eigenen Fähigkeiten ab. Die Krankheit zwinge uns zu einer Sinnfrage, zur Suche nach einer neuen Bedeutung und Richtung unserer Existenz oder unseres Sterbens. Franziskus erinnert bemerkenswerterweise in diesem Zusammenhang an die biblische Gestalt des Ijob. Sein Umfeld verschlimmerte sein Leiden durch gut gemeinte, aber falsche Antworten und Ratschläge. Schliesslich zeigte GOTT ihm selbst, dass sein Leiden weder Strafe GOTTES noch ein Zustand der GOTTESFERNE sei!

Für Ijob bedeutet diese Erkenntnis ein Schauen GOTTES.

Im Weiteren erinnert Franziskus an die strukturellen Mängel des Gesundheitswesens in vielen Ländern. Auch dies hätte die Pandemie sichtbar gemacht. Vor allem geht es Franziskus um den Zugang für alle zu den Behandlungen. Sein Fokus bleibt auf den Alten, Schwachen und Hilflosen. Er appelliert an die politischen Entscheidungsträger, dafür die nötigen Ressourcen zu erschliessen. Der Papst erinnert auch an die unzähligen Ehrenamtlichen und Professionellen, die mit Opferbereitschaft und Verantwortungssinn es gewagt haben, in die Gesichter der Leidenden zu schauen und sich der Wunden der Patienten tätig anzunehmen.

Diese Nähe tut not und lindert Not. Sie ist nach Franziskus Ausdruck der Liebe Christi. Sie muss nicht nur individuell, sondern auch gemeinschaftlich – als Geschwisterlichkeit – gelebt werden.

Sie lässt niemanden fallen, bezieht alle ein und nimmt vor allem den Schwächsten auf. Ein anderes Wort dafür ist «Solidarität».

Für Franziskus geschieht Heilung durch Beziehung. Diese müsse geprägt sein durch Vertrauen, Respekt, Aufrichtigkeit und Hilfsbereitschaft. Der Papst erinnert uns daran, dass auch die Heilungen Jesu keine magischen Gesten waren, sondern Begegnung: Die Beziehung zu JESUS, d.h. die gläubige Annahme Seiner Person, war ihre Voraussetzung. Deshalb betonte JESUS regelmässig: «Dein Glaube hat Dir geholfen!».

Der Papst wird nicht müde, zu betonen, dass einfach keiner einsam zurück- oder auf der Strecke bleiben dürfe. Dafür hätte die Gesellschaft als Ganze zu sorgen. Sie müsse es sich zum Ziel machen, dass keiner sich ausgeschlossen oder fallengelassen fühle. Wie immer schliesst die päpstliche Botschaft mit dem Hinweis auf Maria, die in der lauretanischen Litanei von der Kirche als Mutter der Barmherzigkeit und Heil der Kranken angerufen wird.

Freiburg, 21. Januar 2021

Im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz

+Marian Eleganti